Versuche niemals, selbständiges Denken zu verhindern; denn es würde dir sicherlich gelingen [Bertrand Russell]
Er ist einer meiner Lieblingsintellektuellen: Bertrand Russell (1872 - 1970). Ich als Walliser finde diesen Waliser wirklich toll.
Das Zitat aus dem Artikeltitel
Versuche niemals, selbständiges Denken zu verhindern; denn es würde dir sicherlich gelingen.
stammt aus «Die 10 Gebote des Liberalismus», welche in der New York Times am 16. Dezember 1951 erschienen sind.
Im englischen Original lautet es:
Never try to discourage thinking for you are sure to succeed.
Hier eine möglichst genaue Übersetzung (von Herbert Huber, www.gavagai.de, genaue bibliographische Angaben daselbst):
1. Sei Dir nie über etwas absolut sicher.
2. Halte es nicht für lohnend Gründe zu verheimlichen, denn sie kommen eines Tages bestimmt ans Licht.
3. Versuche nie selbständiges Denken zu verhindern, denn es wird Dir sicher gelingen.
4. Wenn Du auf Widerstand stößt – und sei es Dein Ehepartner oder Dein Kind –, trachte ihn argumentativ zu überwinden und nicht mit Autorität, denn ein Sieg durch Autorität ist unecht und trügerisch.
5. Habe keine Hochachtung vor der Autorität anderer, denn es gibt immer Autoritäten mit gegenteiliger Ansicht.
6. Unterdrücke nicht gewaltsam Meinungen, die Du für verderblich hältst, sonst unterdrücken sie Dich.
7. Fürchte dich nicht davor, ausgefallene Ansichten zu vertreten; jede heute anerkannte Ansicht war einmal ausgefallen.
8. Freue dich mehr über scharfsinnigen Widerspruch als über passive Zustimmung, wenn Dir Klugheit angemessen wert ist, dann liegt im Widerspruch eine tiefere Zustimmung.
9. Halte Dich peinlich genau an die Wahrheit, auch dann, wenn sie beschwerlich ist; denn es ist beschwerlicher, wenn du versuchst, sie zu verbergen.
10. Beneide nicht das Glück derer, die in einem Narrenparadies leben, denn nur ein Narr hält das für Glück.
Er hat sich 1959 auch vor einer Fernsehkamera zum Thema Gott und so weiter geäussert:
Ein sehr lesenswertes Stück Text aus der Feder oder der Schreibmaschine Russells ist übrigens auch der Text «Why I am Not a Christian» (dt. «Warum ich kein Christ bin»).
Dieser Text wurde erstmals am 6. März 1927 als Vortrag vor der Südlondoner Sektion der National Secular Society gehalten. Hier der Anfang dieses immer noch lesenswerten Textes von diesem aussergewöhnlichen Denker und Schreiber.
Warum ich kein Christ bin
Wie Sie gehört haben, lautet das Thema, über das ich heute zu Ihnen sprechen möchte: "Warum ich kein Christ bin." Vielleicht sollte man zu allererst klarzustellen versuchen, was unter dem Wort "Christ" zu verstehen sei. Es wird heutzutage von sehr vielen Menschen in einer recht allgemeinen Bedeutung gebraucht. Manche verstehen darunter bloß eine Person, die sich bemüht, ein gutes Leben zu führen. In diesem Sinne gäbe es vermutlich in allen Sekten und Bekenntnissen Christen; ich glaube jedoch nicht, dass das die wahre Bedeutung des Wortes ist, und zwar schon deshalb nicht, weil das heißen würde, dass alle Menschen, die keine Christen sind - alle Buddhisten, Konfuzianer, Mohammedaner usw. -‚ nicht bemüht wären, ein gutes Leben zu führen.