Tweeter button
Facebook button
Flickr button

Miszellen Allerlei Wissenswertes und anderes aus den Bereichen Germanistik, Literatur, Philosophie, Technik, Kunst… von Valentin Abgottspon, Staldenried, Schweiz

19Feb/120

Fritz Nietzsches Beobachtungen zur Prokrastination

«Jenes verborgene und herrische Etwas, für das wir lange keinen Namen haben, bis es sich endlich als unsre Aufgabe erweist, – dieser Tyrann in uns nimmt eine schreckliche Wiedervergeltung für jeden Versuch, den wir machen, ihm auszuweichen oder zu entschlüpfen, für jede vorzeitige Bescheidung, für jede Gleichsetzung mit solchen, zu denen wir nicht gehören, für jede noch so achtbare Tätigkeit, falls sie uns von unsrer Hauptsache ablenkt, ja für jede Tugend selbst, welche uns gegen die Härte der eigensten Verantwortlichkeit schützen möchte. Krankheit ist jedesmal die Antwort, wenn wir an unsrem Rechte auf unsre Aufgabe zweifeln wollen, – wenn wir anfangen, es uns irgendworin leichter zu machen. Sonderbar und furchtbar zugleich! Unsre Erleichterungen  sind es, die wir am härtesten büßen müssen! Und wollen wir hinterdrein zur Gesundheit zurück, so bleibt uns keine Wahl: wir müssen uns schwerer belasten, als wir je vorher belastet waren...»

–  Friedrich Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches. Ein Buch für freie Geister. Zweiter Band. Vorrede, 4

Aus der Hanser-Schlechta-Ausgabe zitiert: Friedrich Nietzsche: Werke in sechs Bänden. Zweiter Band. Hg. v. Karl Schlechta. München/Wien: Hanser 1980. S. 740f. [identisch mit der 5. Auflage 1966]

Freilich äussert sich hier Nietzsche nicht ausschliesslich – eigentlich ja nicht einmal vorwiegend – zum Thema Prokrastination, sondern es geht im vielmehr um den allgemeinen Platz, den wir in unserem Leben einnehmen wollen, den Platz, den unser Leben und Schaffen in der Gesell- und Gemeinschaft einzunehmen hat. Aber Prokrastination ist halt ein so schönes Modewort!

PDF-Datei

veröffentlicht unter: Literatur, Philosophie keine Kommentare
14Jul/110

Versuche niemals, selbständiges Denken zu verhindern; denn es würde dir sicherlich gelingen [Bertrand Russell]

Er ist einer meiner Lieblingsintellektuellen: Bertrand Russell (1872 - 1970). Ich als Walliser finde diesen Waliser wirklich toll.

Das Zitat aus dem Artikeltitel

Versuche niemals, selbständiges Denken zu verhindern; denn es würde dir sicherlich gelingen.

stammt aus «Die 10 Gebote des Liberalismus», welche in der New York Times am 16. Dezember 1951 erschienen sind.

Im englischen Original lautet es:

Never try to discourage thinking for you are sure to succeed.

Hier eine möglichst genaue Übersetzung (von Herbert Huber, www.gavagai.de, genaue bibliographische Angaben daselbst):

1. Sei Dir nie über etwas absolut sicher.

2. Halte es nicht für lohnend Gründe zu verheimlichen, denn sie kommen eines Tages bestimmt ans Licht.

3. Versuche nie selbständiges Denken zu verhindern, denn es wird Dir sicher gelingen.

4. Wenn Du auf Widerstand stößt – und sei es Dein Ehepartner oder Dein Kind –, trachte ihn argumentativ zu überwinden und nicht mit Autorität, denn ein Sieg durch Autorität ist unecht und trügerisch.

5. Habe keine Hochachtung vor der Autorität anderer, denn es gibt immer Autoritäten mit gegenteiliger Ansicht.

6. Unterdrücke nicht gewaltsam Meinungen, die Du für verderblich hältst, sonst unterdrücken sie Dich.

7. Fürchte dich nicht davor, ausgefallene Ansichten zu vertreten; jede heute anerkannte Ansicht war einmal ausgefallen.

8. Freue dich mehr über scharfsinnigen Widerspruch als über passive Zustimmung, wenn Dir Klugheit angemessen wert ist, dann liegt im Widerspruch eine tiefere Zustimmung.

9. Halte Dich peinlich genau an die Wahrheit, auch dann, wenn sie beschwerlich ist; denn es ist beschwerlicher, wenn du versuchst, sie zu verbergen.

10. Beneide nicht das Glück derer, die in einem Narrenparadies leben, denn nur ein Narr hält das für Glück.

Er hat sich 1959 auch vor einer Fernsehkamera zum Thema Gott und so weiter geäussert:

Ein sehr lesenswertes Stück Text aus der Feder oder der Schreibmaschine Russells ist übrigens auch der Text «Why I am Not a Christian» (dt. «Warum ich kein Christ bin»).

Dieser Text wurde erstmals am 6. März 1927 als Vortrag vor der Südlondoner Sektion der National Secular Society gehalten. Hier der Anfang dieses immer noch lesenswerten Textes von diesem aussergewöhnlichen Denker und Schreiber.

Warum ich kein Christ bin

Wie Sie gehört haben, lautet das Thema, über das ich heute zu Ihnen sprechen möchte: "Warum ich kein Christ bin." Vielleicht sollte man zu allererst klarzustellen versuchen, was unter dem Wort "Christ" zu verstehen sei. Es wird heutzutage von sehr vielen Menschen in einer recht allgemeinen Bedeutung gebraucht. Manche verstehen darunter bloß eine Person, die sich bemüht, ein gutes Leben zu führen. In diesem Sinne gäbe es vermutlich in allen Sekten und Bekenntnissen Christen; ich glaube jedoch nicht, dass das die wahre Bedeutung des Wortes ist, und zwar schon deshalb nicht, weil das heißen würde, dass alle Menschen, die keine Christen sind - alle Buddhisten, Konfuzianer, Mohammedaner usw. -‚ nicht bemüht wären, ein gutes Leben zu führen.

28Jan/112

Halten Sie lieber Predigten als Wort?

Hier ein E-Mail-Wechsel. Nicht wirklich interes-, teilweise aber hoffentlich amüsant Ich führe ihn hier als Beweis meiner Sanft- und Langmut sowie als Beleg meiner pervasiven Tätigkeit als Volkspädagoge an. Ich gebe den Wechsel hier anonymisiert wieder.

WS am 3. Nov. 2010, 14:49 Uhr:

Hallo Herr Abgottspon,

Hier ist etwas, was Sie einmal überdenken sollten.

Mit lieben Grüssen,

WXXXXX

Dieser Mitteilung angehängt war die Präsentation Ernte.pps, welche ich ja (vielleicht sogar von der selben Person?) auch per Briefpost auf einer CD zugestellt erhalten hatte.

Ich am 15. Nov. 2010, 22:33 Uhr:

Sehr geehrter Herr SXXXXXXXXX,

jetzt hatte ich zwei Wochen Zeit, darüber nachzudenken, und bin immer noch nicht von meinen Grundüberzeugungen abgekommen. Was mache ich bloss falsch?

Waren Sie es übrigens, die mir diese PowerPoint-Datei auch per Briefpost auf CD zukommen liessen?

Mit freundlichen Grüssen, Valentin Abgottspon

25Jan/113

Resultate Cambridge Proficiency, nur “C” :( inkl. “clever dick”-Essays als Zugabe

So, gleich mal meinem Bewerbungsdossier hinzufügen.

Ich hätte ja lieber ein "B" gehabt, leider um 3% verpasst... Naja, kommt halt auch a bissl auf die Tagesform an.

Jetzt ist meine Fähigkeit als C2 im Englischen wenigstens auch endlich zertifiziert. Hat nicht mancher Orientierungsschullehrer im Kanton Wallis.

Beim Writing hätte ich auch gerne eine etwas bessere Einschätzung gesehen. Ich habe unter anderem eine Rezension über den Film "Agora" geschrieben, ohne ihn je gesehen zu haben. Vielleicht war das nicht allzu gescheit. :)

Aber ich mache halt lieber Blödsinn, als mich in Prüfungssituationen und während der Vorbereitung wirklich anzustrengen (da hätten wir sie dann auch, die berühmte Prokrastinatoren-Ausrede!). Beim Speaking habe ich auch allerhand "Interessantes" eingebaut. Ich denke, es kommt nicht so häufig vor, dass beim Speaking-Exam das Medienimage und die Person des Dalai Lamas gedisst werden. (Mein Mitsprecher hatte einen Tag lang Dalai Lama sein wollen...)

Wer ein Paar meiner (zugegeben: hingeschluderten) Produkte aus der Sommer-Sprachreise lesen möchte: tolle lege! Ich hatte Spass beim Schreiben und mir nicht allzu viel Mühe gegeben bezüglich sprachlicher Korrektheit. Hell! Der Lehrer soll ja auch noch etwas zum Korrigieren haben...

19Jan/112

Duden-Eintrag Rektalderivat

Auszug aus der 2017 erscheinenden/erschienenen 27. Auflage des Rechtschreibedudens.

Seite 858, mittlere Spalte, unten. Ausschnitt freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Doctor Who.

Bill Maher hatte 2010 in Real Time von 'rectally derived facts' gesprochen, ab 2011 fand der Begriff auch in die deutsche Sprache Eingang und verfestigte sich ab Mitte des Jahres als Synonym für Unsinn oder Humbug im Allgemeinen und für den Mumpitz und Schmonzes aus der Theologie und Esoterik-Branche im Besonderen.
Eng verwandt mit 'linguistischem Dünnpfiff' und Logorrhoe.

veröffentlicht unter: Aphorismus, Linguistik, Philosophie weiterlesen
15Jan/110

Einstein und Darwin waren Gläubige [Fanpost]

Mindestens die Zitate von Darwin und von Einstein muten dann doch etwas seltsam an. Aber wer die eine Wahrheit zu verkünden hat, nimmt es mit der Wahrheit halt nicht immer allzu genau.

Und selbst wenn einige Naturwisschenschaftler partout nicht vom Sprechen über "Gott" lassen können. Es wäre doch schön, wenn sie IMMER vorher explizieren würden, dass sie nicht etwa den monotheistisch-personalen Gott der drei penetranten Religionen Judentum, Christentum und Islam damit meinen. Auch Naturwissenschaftler sollten zuweilen auf ihre Sprache achten. Spinozas Gott ist NICHT der Gott Paul Martones.

Betreffend Auge, Evolution und Darwin sei auf die wunderbaren Christmas Lecures "Growing Up in the Universe" von Richard Dawkins verwiesen.

veröffentlicht unter: Freidenker, Korrespondenz, Philosophie weiterlesen
10Jan/110

Marcel Reich-Ranicki

"Nur weil Marcel Reich-Ranicki das mal geäussert hat, muss es noch nicht zwangsläufig falsch sein."

Dieser (mein) Ausspruch (getätigt einst in einem Literaturseminar in Freiburg im Üechtland) ist mir eingefallen, als ich neulich Karlheinz Deschners Büchlein Mörder machen Geschichte: Aphorismen
durchlas. Denn: Auch ein blindes Huhn findet einmal ein (Senf-)Korn.

Da steht auf Seite 19:

Praeceptor Germaniae. »Wer dauernd jein sagt, irrt nie.« O doch! Er irrt genau so oft, wie wer dauernd ja sagt oder dauernd nein oder, anders gesagt, wie Marcel Reich-Ranicki. Bleibt er überhaupt in Erinnerung, so bloss, weil er trotz der blamablen Fülle seiner Fehlurteile, ja, ohne auch nur zu ahnen, was Literatur zuerst und vor allem ist, deutscher Literaturpapst werden konnte.

Der Freudschen Psychoanalyse, dem Derridadaismus und insgesamt dem Poststrukturalismus und dem Dekonstruktivismus bin ich ja nicht allzu hold. Zur Wahrheit und zu Wahrheit in Diskussionen insbesondere mit Freudianern oder ähnlichen ist mir mal die Replik eingefallen:

"Nur, weil ich es nicht gerne höre, muss es noch nicht die Wahrheit sein!"